Hintergrund und kreativer Ausdruck

Hintergrund-kreativer-Ausdruck-Foto-Stefan-Hahn

Nach der feierlichen Eröffnung – ich habe diese mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette gefeiert – kommt nun der Alltag. Jede Woche ein neuer Post, da freue ich mich drauf.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Bedeutung des Hintergrundes für den kreativen Ausdruck.Ich beziehe mich dabei mit meinem Gebrauch des Wortes „Hintergrund“ auf die Sichtweise der Gestalttherapie, die von Berufs wegen widerum Teil meines persönlichen Hintergrundes ist.

Die Gestalttherapie, als eine Form der Psychotherapie, beschreibt nach meiner Beobachtung, in ihren Konzepten einiges brauchbare für den Fotografen. Sie bezieht sich zu einem gewissen Teil auf die Erkenntnisse der Gestaltpsychologie (siehe Wikipedia: Gestalttherapie und Gestaltpsychologie).

Es geht im Grunde darum, dass wir die Welt in unserer eigenen Sicht wahrnehmen bzw. konstruieren. Diese Wahrnehmung hat einen Hintergrund, nämlich alle Erfahrungen, Erinnerungen, Eindrücke und Erlebnisse, welche bis zum jetzigen Moment unser Dasein mit konstituieren, unsere Wahrnehmung prägen.

Der Hintergrund beeinflusst, was uns interessiert, auf was wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Während ich den Hintergrund als Gesamtheit der biographischen Erfahrung bezeichne, beschreibt der sogenannte Figur-Grund Prozess der Gestaltpsychologie die Art wie wir wahrnehmen. Er beschreibt die Differenzierung des Vordergrundes (Figur), was wir wahrnehmen, vom Grund (die Gesamtheit des Wahrnehmbaren).

Wie wir aus einem Grund eine Figur herauslösen, auf die unser Interesse sich lenkt, hat im Wesentlichen mit unserem biographischen Hintergrund zu tun. Hierzu finden sich Beispiele im Netz, so dass ich auf diese hier verweisen möchte, ohne sie hier einzufügen.

Im Blick, durch den Sucher der Kamera (oder via LiveView), nehmen wir einen begrenzten Ausschnitt einer komplexeren Welt war. Unser Motiv hebt sich von dem sichtbaren Motivhintergrund ab. Es ist die Manifestation unseres Interesses im Feld der vielen Einzelmotive.

Dieses Interesse hat auch schon dazu geführt, dass wir einen Ausschnitt bestimmt haben, Dinge in den Rahmen hinzugefügt oder weggelassen haben. Aus den vielen Möglichkeiten des Wahrzunehmenden, löst das Interesse aus, was wir mit Sinn und Bedeutung verknüpfen können.

Nun, was ist für uns von Interesse?

Das Interesse hat mit Neugier, Gefühlen, Berührtsein, Anregung, Aufregung, Gedanken und um einen Begriff zu nennen, den Ralf Gibson gebraucht hat, mit unserem „emotionalen Verdacht“ zu tun. Dies alles ist das Ergebnis unseres Seins bis zu jedem gegebenen Zeitpunkt.

Wir bringen eben, zu jeder Zeit, einen starken emotionalen Reichtum und Erfahrungsschatz mit uns, welcher uns zu der Person hat werden lassen, die wir sind. Hinzu kommen unser Wissen und unsere Verbundenheit mit anderen Menschen. Dies alles bildet den Grund, auf dem sich eine Motividee entwickelt, aber auch unsere Überlegungen zur technischen Umsetzung und unsere Bemühungen zur Bildkomposition basieren darauf.

Soeben schilderte ich, dass der Grund die Summe unserer Erfahrungen ausmacht. Ich möchte noch etwas weiter gehen. Der Grund ist unsere Existenz. Unser Sein in der Welt. Verbunden mit anderen Menschen und unserer Umwelt. Unser Eingebettetsein in die Geschichte der Menschheit. Hinzu kommen unser daraus resultierender Charakter und die Vielzahl an Emotionen.

Ein tiefgehendes Verständnis für diesen Begriff des Hintegrundes ist mit meinem Verständnis und meiner Definition des Begriffs “Kunst” untrennbar verknüpft. Diesem möchte ich mich in meinen nächsten Artikel näher widmen. Er kann, will und wird nur im Zusammenhang mit dem bisher gesagten wirklich zu verstehen sein.